Zur Methode AFI – Angewandte Fähigkeit der Integration
AFI ist eine Methode, die man anwenden muss, um sie zu begreifen. Um trotzdem
eine Idee davon zu vermitteln, was in AFI-Prozessen geschieht, möchte ich
über drei Fähigkeiten sprechen, die diese Methode ausbildet: Bewusstes Atmen,
Achtsamkeit und Akzeptanz.
Bewusstes Atmen
Bewusstes, frei fließendes Atmen ist ein wichtiger Teil der Methode. Je unbeschränkter
wir atmen können, desto leichter wird es, uns selbst authentisch wahrzunehmen.
Wenn wir den Atem nicht mehr unterdrückt halten, fühlen wir uns deutlicher
und können uns gleichzeitig in Gegenwart unserer Gefühle leichter
entspannen, statt sie durch Anspannung »einzufrieren«.
Frei fließendes Atmen passt sich spontan unseren inneren Bewegungen an,
genau wie auch den äußeren Bewegungen: Ich atme anders, wenn ich
joggen gehe, als wenn ich in der Badewanne liege! Sie auch? Genauso ist es mit
den Gefühlen. Um Angst zu integrieren, atme ich anders, als wenn ich Liebe
spüre. Einmal war ich auf dem Berliner Wannsee segeln. Der Wind kommt dort
in plötzlichen, heftigen Böen. Ich war völlig unerfahren und
bekam Angst, als das kleine Boot plötzlich nach vorn schoss und sich furchtbar
neigte. Im nächsten Moment, als ich meinen Atem frei ließ, wurde
ich wieder klar im Kopf. Mein Atem ging entspannt und ziemlich schnell, und
ich genoss den Moment in vollen Zügen!
Der Atem reguliert die Intensität unsere Empfindungen. Wenn uns eine Erfahrung
zu überwältigen droht, wird der Atem oft spontan flacher, um die Heftigkeit
unserer Gefühle zu dosieren. Oft wird er dabei auch schneller. Ich erlebe
dadurch eine gesteigerte Wachheit, die mir hilft, ganz bewusst durch die Erfahrung
hindurch zu gehen. Wenn ich dagegen Gefühle von Glück und Liebe spüre,
vertieft sich mein Atem sofort. Die Gefühle strömen dann durch meinen
ganzen Körper. AFI hält eine Reihe von Übungen bereit, um dem
Atem zu seiner ursprünglichen Freiheit zu verhelfen.
Achtsamkeit
Das bewusste Atmen hilft uns, uns stärker im Körper zu spüren.
Wir verankern uns mehr und mehr im gegenwärtigen Moment. Dadurch entwickelt
sich ein Gefühl für unseren inneren Raum. Wir gewinnen mehr Beobachtungsabstand
und Wahrnehmungsschärfe für alle unsere Impulse, Gefühle, Gedanken
und Wahrnehmungen.
Über die vertiefte Selbstwahrnehmung erschließen sich auch ungewohnte
Bereiche: Wir fühlen das Strömen von Energie in unserem Körper,
wir öffnen uns für seelische Erfahrungen und inneres Wissen. Wer Schwierigkeiten
hatte, die eigenen Gefühle wahrzunehmen, kann mit AFI den inneren Zugang
finden. Wer Schwierigkeiten hatte mit zu großer Gefühlsintensität,
lernt die Intensität zu regulieren. Wer zu stark im Kopf und in seinen
Gedanken war, kann ein neues Gefühl für seine Lebendigkeit gewinnen.
Akzeptanz
Diese Arbeit hilft uns begreifen: Unsere Gefühle sind die Antworten unserer Seele
auf das Leben. Wenn wir Gefühle ablehnen, schränken wir den Fluss
unserer Lebendigkeit ein. Wenn wir diese Angst, diese Traurigkeit, Verzweiflung
oder Wut nicht fühlen wollen, sie beiseite schieben und uns ablenken, entziehen
wir einem Teil unserer selbst unsere Aufmerksamkeit.
Mit Hilfe dieser Arbeit lassen wir die Bewertungen beiseite und geben auch den unliebsamen
Empfindungen Raum. Plötzlich erleben wir lästige und negative Gefühle
neu - und das Leid verschwindet. Wir erfahren, welche tieferen Bedürfnisse
und Motivationen in diesen Gefühlen verborgen liegen; wir erleben sie als
Orientierungshilfen und sogar als Kraftquellen.
Mit AFI entwickeln Sie gezielt Ihre Selbstliebe und Ihr Selbstvertrauen. Nichts
an Ihnen ist schlecht! Nichts kann Ihnen gefährlich werden! Alles, was
Sie empfinden, braucht seinen Platz in Ihnen. Wie Sie dann später handeln,
entscheiden Sie um so besser, je mehr Sie wissen, was in Ihnen los ist – und
damit entspannen.
Von Sabeth Kemmler